Der Herrscher und sein Malerfreund

 

"Apelles am Fürstenhof": Eine mit Kostbarkeiten ausgestattete Schau der Veste Coburg stellt Facetten der Hofkunst um 1500 vor

 

Kaiser Maximilian I. und sein Hofkünstler Hans Burgkmair der Ältere scheinen einen freundschaftlichen Umgang miteinander gepflegt zu haben. Auf einem Holzschnitt (nach 1514) stellt sich Burgkmair vor der Staffelei sitzend dar. Der herangetretene Kaiser hat ihm vertraulich die Fingerspitzen auf die Schulter gelegt. Im Begleittext zum Holzschnitt lässt sich Maximilian als Mäzen feiern: "Er hat die großen Künstler der Malerei und Schnitzerei unterhalten und viele Kunstwerke schaffen lassen."

 

Dieses innige Verhältnis von Herrscher und Künstler hat ein legendäres Vorbild: Alexander den Großen und seinen Hofmaler Apelles. Um 1500 gewinnt es im Alten Reich neue Aktualität. Aus der Konkurrenz zwischen Kaiser und Landesfürsten um die Macht gingen die Territorialherrschaften gestärkt hervor. Das neue politische Gewicht galt es im Rahmen der fürstlichen Repräsentation durch die Kunst auszudrücken. Damit einher ging das wachsende Ansehen eines Teils der Künstlerschaft. "Apelles wurde daher auch für die deutschen Hofkünstler zum Idealbild des hochtalentierten und von den Herrschern gesuchten Künstlers." Das berichten in ihrem gemeinsam verfassten Katalogvorwort Klaus Weschenfelder, Direktor der Kunstsammlungen der Veste Coburg, und Matthias Müller, Professor am Institut für Kunstgeschichte der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.

 

Mit ihrem Kuratorenteam haben Weschenfelder und Müller die erste Ausstellung erarbeitet, die die Aufgaben der an den Höfen tätigen Künstler und ihre gesteigerte Bedeutung für die fürstliche Selbstdarstellung veranschaulicht. Besonderes Augenmerk der auf der Veste Coburg gezeigten Schau gilt dem vorbildhaft wirkenden Hof Kaiser Maximilians I. und dem kulturell herausragenden sächsischen Kurfürstenhof unter den gemeinsam herrschenden Friedrich III. und Johann I. sowie ihrem Nachfolger Johann Friedrich I.

 

Allergrößten Wert legten die Herrscher auf die Porträtmalerei. Im Dienste der Wiedererkennbarkeit wurden Standards festgelegt, die formelhaft wiederholt oder leicht variiert wurden. Kaiser Maximilian ließ sich von der Seite darstellen, um sich an seiner markanten Hakennase erkennen zu lassen. Das veranschaulicht uns eine Kopie (um 1510) nach Bernhard Strigels Ölbildnis Kaiser Maximilians I. im vergoldeten Harnisch. Das Gemälde ist in dreizehn Varianten überliefert. Weit übertroffen wird diese Anzahl von dem in der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren produzierten Gemäldepaar, das Friedrich III., genannt der Weise, und Johann I., genannt der Beständige, zeigt. Ausgestellt ist die einzigartige großformatige Variante und die häufig vorkommende kleinformatige. Die Porträts seiner verstorbenen Vorgänger hatte Kurfürst Johann Friedrich I., genannt der Großmütige, 1532 bei Cranach in einer Auflage von 60 Stück bestellt, um im zwischenhöfischen Geschenkverkehr für die Legitimität seiner Nachfolgeschaft zu werben.

 

Wie vielseitig die von den Hofkünstlern zu erfüllenden Aufgaben waren, erleben wir beim weiteren Rundgang. Entwürfe zu Prunkgefäßen hat Albrecht Altdorfer beigesteuert, Hans Holbein der Jüngere zeichnete Vorlagen für Schmuckanhänger. Von Cranach werden Entwürfe zur Fensterverglasung und für die höfische Kleidermode gezeigt. Klaus Weschenfelder erzählt, dass Cranach sogar Entwürfe für Pfefferkuchenformen lieferte. Weit anspruchsvoller sind natürlich seine Bilder, die wie der seltene kolorierte Holzschnitt "Friedrich III. vor der Madonna mit dem Kind kniend" (um 1515) die fromme Haltung des Landesherrn für alle Welt sichtbar machen. Rechts unten hat Cranach unübersehbar sein Wappen, das eine geflügelte und gekrönte Schlange zeigt, als Signatur ins Bild gesetzt. Das Wappen wurde ihm 1508 von Friedrich III. verliehen. Er war der erste Künstler im Alten Reich, dem diese außerordentliche Ehre zuteil wurde.

 

Weitere wichtige Tätigkeitsfelder der Hofkünstler waren die Ausschmückung und bildliche Dokumentation von Ritterturnieren und Jagdgesellschaften. Das belegen das von der Cranach-Werkstatt mit farbenfrohen Miniaturen ausgestattete "Turnierbuch Johann Friedrichs I. von Sachsen" (1534/35) und das "Tiroler Jagdbuch von Kaiser Maximilian I." (1500), zu dem Jörg Kölderer die Aquarelle der Gemsenjagd und der Hirschjagd beigesteuert hat. Die außerordentliche Beliebtheit von Jagddarstellungen veranschaulicht auch der von Albrecht Dürer allerfeinst mit Aquarell und Deckfarben ausgeführte "Kopf eines getöteten Hirsches" (um 1504), der nach dem Urteil Klaus Weschenfelders "ohne weiteres seinem berühmten Feldhasen vergleichbar ist."

 

Groß in Mode kamen um 1500 von der italienischen Renaissance angeregte mythologische Darstellungen. Auf dem Gemälde "Herkules am Hof der Omphale" (1537) lässt sich der verliebte Held zu Weibertätigkeit verleiten. Er schaut etwas gequält drein, während ihm eine der drei Damen eine weiße Haube aufsetzt und ihm die anderen die Arbeit am Spinnrocken schmackhaft machen. Das Werk ist eines der drei belegten und signierten Gemälde von Lucas Cranachs Sohn Hans. Auch der Vater malte Motive aus der antiken Mythologie. Sein kleines Rundbild der "Ruhenden Quellnymphe" (um 1525), die sich splitternackt zur Schau stellt, weist uns darauf hin, dass Lucas Cranach der Ältere die Aktmalerei im Alten Reich einführte.

 

Bis 7.11.2010. Kunstsammlungen der Feste Coburg. Täglich 9.30-17 Uhr. Informationen: Tel.: 09561-87979, Internet: www.kunstsammlungen-coburg.de. Der Katalog aus dem Lukas-Verlag kostet in der Ausstellung 23 Euro, im Buchhandel 30 Euro.

 

Text: Veit-Mario Thiede, Goethestraße 100, 34119 Kassel, Tel: 0171-3860734, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

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