Verehrt und verachtet

 

"Napoleon und Europa. Traum und Trauma": Eine umfangreiche Schau in Bonn

 

Achtung! Kanone von rechts! Mit diesem kriegerischen Ausstellungsauftakt in der Bonner Bundeskunsthalle wird unmissverständlich betont, worauf der Erfolg des ausgebildeten Kanoniers Napoleon Bonaparte (1769-1821), der es zum Kaiser der Franzosen brachte, beruhte: Auf der Androhung und Ausübung von Gewalt. Mit dieser Ausstellung werden erstmals die Auswirkungen der napoleonischen Machtpolitik und die Reaktionen auf sie in ganz Europa beleuchtet. Dazu sind über 400 Exponate aufgeboten.

 

Kuratorin Bénédicte Savoy erklärt: "Abseits der Klischees vom Kriegstreiber oder vom übergroßen Staatsmann setzt sich die Ausstellung zum Ziel, ein differenziertes Panorama der napoleonischen Ära zwischen Krieg, Politik, Verwaltung, Kunstraub und Kulturblüte darzustellen." Dabei folgt die Inszenierung dem Prinzip von "einerseits und andererseits". Einerseits sind Kultgegenstände wie Hut, Gehrock und Feldbett Napoleons ausgestellt. Andererseits sind erschütternde Zeugnisse seiner europaweiten Machtpolitik aufgeboten. Darunter ein Brust- und Rückenpanzer mit kapitalem Durchschussloch, Aquarelle, auf denen der Arzt Charles Bell Schwerverwundete der Schlacht von Waterloo (1815) zeigt, oder eine Totentafel mit der Aufschrift: "Der Huber Hans auch in Russland geblieben."

 

Bilder feiern Napoleons Siegeszug durch Europa. Eine Radierung zeigt den "Einzug der Franzosen in Rom", ein Kupferstich die "Übergabe der Schlüssel von Wien", eine Federzeichnung den "Einzug Kaiser Napoleons I. in Berlin". Und die "Skizze der Schlacht von Austerlitz" hat der siegreiche Feldherr Napoleon höchstpersönlich mit der Feder aufs Papier geworfen. Natürlich sind auch Gegenbilder aufgeboten. Joseph Antons Kochs Gemälde zeigt den vom berühmten Freiheitskämpfer Andreas Hofer angeführten "Tiroler Landsturm". Francisco de Goyas Ölskizze "Der zweite Mai" ist den Straßenkämpfen vom 2. Mai 1808 gewidmet, mit denen der spanische Unabhängigkeitskrieg gegen Napoleon begann. Und Caspar David Friedrichs Federzeichnung des Grabmalsentwurfs "Theodor" gilt dem 1813 in den Befreiungskriegen gefallenen Dichter Theodor Körner.

 

Enttäuschend karg und nüchtern fällt eines der schillerndsten Kapitel der napoleonischen Machtpolitik aus: Die Plünderung und Überführung der europäischen Kunstsammlungen und Archive nach Paris. Gern würde man einige der geraubten und nach Napoleons zweiter Abdankung zurückgegebenen Kunsttrophäen im Original sehen. Aber die Schau begnügt sich mit einer Auswahl postkartengroßer Reproduktionen. Dazu gesellen sich einige Grafiken und Verzeichnisse, die in Bild und Schrift Raub und Rückgabe dokumentieren.

 

Wie ein roter Faden ziehen sich gemalte und plastische Bildnisse Napoleons durch die Ausstellung. Er selbst gab das von Antoine-Jean Gros gemalte Heldenstück "General Bonaparte auf der Brücke von Arcole am 17. Juni 1796" (1796) in Auftrag. Hinterfangen von Pulverdampf und Explosionen, rauscht der tapfere Feldherr mit Fahne und Säbel in den Händen in voller Lebensgröße dicht an uns vorbei. Auf Distanz und Würde setzt hingegen das von Jean-Auguste-Dominique Ingres gemalte Bild "Napoleon auf dem Kaiserthron" (1806). In Übergröße blickt der Herrscher auf uns hinab. Sein Thron erhebt sich auf einem Podest, wodurch der Kaiser der Franzosen unmissverständlich verdeutlicht, dass wir Betrachter mindestens eine Stufe unter ihm stehen. Dagegen sprechen die zahlreichen Napoleon gewidmeten Karikaturen eine ganz andere Sprache. Nach der Völkerschlacht von Leipzig zum Beispiel entstand der anonyme Kupferstich "Triumph des Jahres 1813. Den Deutschen zum Neujahr" (1814). Auf ihm ist Napoleons Profilkopf aus nackten Toten und Verwundeten zusammengesetzt.

 

Fast schon Rührung kommt am Ende des Rundgangs auf. Eine Schürze mit aufgesticktem "N" weist uns darauf hin, dass sich Napoleon nach der Verbannung auf die Atlantikinsel St. Helena als Gärtner betätigte. Knapp 20 Jahre nach seinem Tod wurden die sterblichen Überreste nach Paris überführt. Neun Lithographien zeigen den "Feierlichen Zug mit dem Leichnam Napoleons vom Arc de Triomphe zum Hotel des Invalides". Schon damals kamen Gerüchte auf, es handele sich nicht um den Leichnam Napoleons. "Eine These, die bis heute immer wieder kontrovers diskutiert wird", wie Dominik Gügel im Ausstellungskatalog schreibt.

 

Zur Person: Napoleon I.

Napoleon Bonaparte wurde 1769 auf Korsika als Sohn eines Kleinadeligen geboren. Seine Eltern hatten 13 Kinder, von denen acht das Erwachsenenalter erreichten. Nach der Französischen Revolution machte Napoleon in der Armee Karriere, war von 1799 bis 1804 Erster Konsul der Republik Frankreich und anschließend bis 1814 Kaiser der Franzosen. Durch siegreiche Feldzüge brachte er ganz West- und Mitteleuropa unter seine Kontrolle, wobei er seine Brüder und Schwäger als Herrscher der Frankreich umgebenden Satellitenstaaten einsetzte. Der ungeheuer verlustreiche Russlandfeldzug von 1812 leitete den Niedergang Napoleons ein. Als die Koalitionsarmeen der Gegner 1814 vor Paris standen, zwangen ihn seine Generäle zur Abdankung. Napoleon wurde auf die Mittelmeerinsel Elba verbannt, kehrte aber 1815 nach Frankreich zurück und musste sich nach der Niederlage in der Schlacht bei Waterloo endgültig geschlagen geben. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in der Verbannung auf der Atlantikinsel St. Helena, wo er 1821 starb. Knapp 20 Jahre später wurden Napoleons sterbliche Überreste nach Paris in den Invalidendom überführt.

 

Bis 25.4.2011 in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Friedrich-Ebert-Allee 4, Bonn. Di., Mi. 10-21 Uhr, Do.-So. 10-19 Uhr. Heiligabend und Silvester geschlossen. Informationen: Tel.: 0228-9171200, Internet: www.bundeskunsthalle.de. Der Katalog aus dem Prestel Verlag kostet in der Ausstellung 32 Euro

 

Text: Veit-Mario Thiede, Goethestraße 100, 34119 Kassel, Tel: 0171-3860734, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

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